Kanton Bern: Anlagebetrüger aktiv – Präventionstipps

Im Kanton Bern haben Anlagebetrüger seit Anfang Jahr gegen fünf Millionen Franken erbeutet. Sie versprechen auf angeblichen Handelsplattformen im Internet hohe Renditen und den schnellen Gewinn. Haben Investitionswillige einmal eine erste Zahlung geleistet, üben die Täter meist massiven psychischen Druck aus und drängen zu immer höheren „Investitionen“.

Der erlittene Verlust kann für die Opfer bis in den Ruin führen.

Das Werbefenster mit dem Bild eines bekannten Schweizer Musikstars auf der eben aufgerufenen Website springt sofort ins Auge: „Schweizer Musiklegende entgeht knapp ihrer Insolvenz und macht jetzt ein Vermögen!“ Bereits für eine bescheidene Investition von ein paar hundert Franken habe der Musiker einen schnellen Gewinn erzielt. Und das nur mittels ein paar Mausklicks auf einer Transaktionsplattform im Internet, „die es dem Durchschnittsbürger erlaubt, von der Beliebtheit an Kryptowährungen und dem Bitcoin-Boom zu profitieren“. Zweistellige Rendite in kürzester Zeit garantiert, ein Vermögen auf sicher. Wer würde da nicht zugreifen?

Zu schön, um wahr zu sein

Hinter solchen Websites und Werbeanzeigen stecken meist organisierte Tätergruppen, die sich auf den Anlagebetrug oder „Boiler Room Scam“ (siehe Kasten) spezialisiert haben. Nicht selten betrieben diese Täterschaften gleich mehrere aufwändig und attraktiv gestaltete Websites, auf denen sogar Aktienkurse „live“ zu sehen seien, sagt Christa Lüthi, Chefin des Dezernats für Wirtschaftsdelikte der Kantonspolizei Bern: „Die Täter gaukeln den Investierenden Gewinne und Renditen vor, die aber zu schön sind, um wahr zu sein“.

Ist dann eine erste Investition im tiefen dreistelligen Franken- oder Euro-Bereich gemacht, kann es durchaus vorkommen, dass die Täter ein paar Tage später tatsächlich einen „Gewinn“ ausschütten. In vereinzelten Fällen ist bekannt, dass die Täterschaft tatsächlich eine erste Überweisung an ihr Opfer geleistet hat, um auf diese Weise ihre Glaubwürdigkeit zu untermauern und das Opfer zu weiteren, dann aber dann meist massiv höheren Investitionen zu bewegen. In der Regel erhöhen die Täter In der Folge den Druck; die vermeintlichen Anlageberater rufen in immer kürzeren Abständen an, drängen zu Mehrinvestitionen, um angeblich günstige Gelegenheiten auszunützen oder Verluste auszugleichen. Dabei gehen sie geschickt vor und setzen ihr Opfer unter massiven psychischen Druck. „Das kann dazu führen, dass jemand wieder und wieder zahlt, bis hin zum persönlichen Ruin“, führt Christa Lüthi aus. Die Kantonspolizei Bern ermittelt denn auch in Fällen, bei welchen Zahlungen bis in die Höhe von mehreren hunderttausend Franken geleistet wurden.

Bei der Kantonspolizei Bern gingen allein im laufenden Jahr bislang rund 35 Meldungen zu Anlagebetrug ein. Die Täter erbeuteten so fast fünf Millionen Franken. Die Ermittlungen sind, da die Täter erfahrungsgemäss aus dem Ausland operieren, aufwändig und langwierig und werden im Austausch mit anderen Behörden international koordiniert.

Informieren, recherchieren, Warnlisten konsultieren

„Der beste Schutz gegen Betrug ist ein gesundes Misstrauen“ kommt Christa Lüthi auf die Tipps zu sprechen. „Prüfen Sie, wem Sie Ihr Vermögen anvertrauen wollen. Suchen Sie im Internet Informationen über Anbieter und Produkte. Bereits ein warnender oder kritischer Beitrag ist ein Alarmzeichen. Holen Sie Zweitmeinungen ein und konsultieren Sie die offiziellen Warnlisten der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA.“

Weitere Tipps zum Schutz vor Anlagebetrug oder für den Fall, dass Sie bereits Schaden erlitten haben, sind auf der Website der Kantonspolizei Bern zu finden.

 

Quelle: Kantonale Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte und Kantonspolizei Bern
Titelbild: elnino80 – shutterstock.com

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