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Wetter-Jahresbilanz in der Schweiz 2021: Ein ereignisreiches Jahr!

Das Jahr 2021 war wettermässig alles andere als langweilig, es gab einige markante Wetterereignisse, von denen der viele Schnee im Winter, der kälteste Frühling seit 30 Jahren, der lokal nasseste Sommer und der stellenweise trockenste Herbst seit Messbeginn hervorgehoben seien.

Wie MeteoNews in einer Mitteilung schreibt, ging gestern ein meteorologisch ereignisreiches Wetterjahr zu Ende. Schlaglichtartig sollen nachfolgend die einzelnen Monate nochmals Revue passiert gelassen werden.

Januar: Schneechaos im zentralen und östlichen Flachland

Der Januar durfte sich zurecht als Wintermonat bezeichnen. Insbesondere zur Monatsmitte gab es stellenweise soviel Schnee wie seit rund 15 Jahren nicht mehr. Davon waren insbesondere die zentralen und östlichen Landesteile betroffen (siehe nachfolgendes Foto).


Abb. 1: Rekord-Schneemengen (Sarganserland, 80 cm am 15. Januar)


Aufgrund einer beinahe stationären Luftmassengrenze blieb es zur gleichen Zeit weiter im Westen – zum Beispiel in Bern – grün, es war hier schlicht zu mild für Schnee. Nur wenige Tage nach dem kräftigen Schneefall kam in den Alpen Föhn auf, welcher als Schneefresser fungierte. Danach wurde in den letzten Januartagen mit kräftigem Südwest- bis Westwind sehr feuchte und milde Atlantikluft zum Alpenraum geführt, wodurch die Schneefallgrenze vielerorts stark anstieg. Dies führte zu erhöhten Pegelständen der Flüsse, insbesondere der Thur und des Rheins. Gleichzeitig kam in den Alpen erneut viel Neuschnee zusammen, wodurch die Lawinengefahr vom SLF gebietsweise auf sehr gross (Stufe 5 von 5) gesetzt wurde. In St. Gallen fiel rund dreimal soviel und in Vaduz sogar mehr als dreimal soviel Niederschlag wie normal. An einigen Stationen wurden sogar Januarrekorde geknackt.

Februar: Saharastaub, kurze Kältewelle und anschliessend rekordverdächtig mild

Der Start in den Februar zeigte sich alles andere als winterlich. Mit kräftigem Südwestwind wurden verbreitet zweistellige Höchstwerte erreicht, und die Schneefallgrenze stieg zeitweise in einen Bereich um 2000 Meter. Am ersten Februarwochenende gab es dann einen ausgeprägten staubigen Gruss aus der Sahara. Zwischen dem 10. und 15. Februar floss am Südrand eines Hochs über Skandinavien eisige Luft zum Alpenraum, es gab mehrere Eistage in Folge. Dabei wurden am Morgen des 14. Februars vielerorts die kältesten Temperaturen des Winters 2020/2021 gemessen. Spitzenreiter in tiefen Lagen waren Ebnat-Kappel mit -18,1 und Tänikon mit -15,9 Grad. Auf der Glattalp (keine offizielle Messstation) wurden -44,4 Grad gemessen. Nach dieser kurzen Kältewelle befanden sich die Temperaturen dann in der letzten Februardekade am anderen Ende der Skala. So wurden lokal neue Februarhöchstwerte registriert. Unter dem Strich war der Februar 2021 deutlich zu mild. Die Abweichungen zur Klimanorm 1981 bis 2010 betrugen dabei gut 2 bis lokal über 4 Grad. Vor allem in der Höhe war es teilweise sogar einer der mildesten Februar seit Messbeginn.

März: Achterbahnfahrt der Temperaturen, vor allem im Westen und Süden deutlich zu trocken

Durch einen instabilen Polarwirbel gab es einen stetigen Wechsel aus kurzen milderen Phasen und Kaltlufteinbrüchen. Besonders kühl war es zwischen dem 14. und 22. März, dabei sank die Schneefallgrenze zeitweise bis in tiefe Lagen. In vielen Tälern wurde es noch einmal weiss mit etlichen Zentimetern Neuschnee, auf den Bergen fielen sogar 1 bis 1,5 Meter. Die Lawinengefahr war entsprechend gross. Im letzten Monatsdrittel wurde es stetig milder, am Monatsende sogar schon fast frühsommerlich warm. Am 30. März gab es in mittleren Lagen einige Stationsrekorde. Ein Monat grosser Kontraste, in Summe dann aber unter dem Strich an den meisten Stationen dennoch durchschnittlich temperiert. Der März war zudem in der Romandie und vor allem auf der Alpensüdseite viel zu trocken, wodurch sich die Waldbrandgefahr zusehends verschärfte.

April: In der Deutschschweiz teils kühlster April seit mindestens 20 Jahren

Nach einem warmen Start gingen die Temperaturen im April wieder stark zurück, am 6. und 7. April gab es Schneeschauer bis ins Flachland. In der ersten Monatshälfte konnten zudem aussergewöhnlich viele Frosttage verzeichnet werden, was vielerorts ein Problem für die schon blühenden Obstbäume darstellte (siehe nachfolgendes Foto).


Abb. 2: Der Schnee und Frost im April setzten den blühenden Obstbäumen stark zu (Birnbaum)


Im Schnitt sind auf der Alpennordseite im April zwischen 1 und 5 Frosttage üblich, in Zürich beispielsweise gab es im April 2021 aber deren 11! Im letzten Monatsdrittel stieg das Temperaturniveau an, vor allem in der Deutschschweiz konnte das Defizit dadurch aber nicht mehr ausgeglichen werden. Hier ergab sich der kühlste April seit mindestens 20 Jahren. Im April war es zudem im ganzen Land massiv zu trocken, neben dem Tessin stieg die Waldbrandgefahr auch im Wallis und in Graubünden sukzessive an.

Mai: Sehr nass und kühl

Der Mai war verbreitet deutlich zu kühl, mit Ausnahme des Muttertag-Wochenendes und des Monatsendes waren die Temperaturen meist klar unterdurchschnittlich. Zudem regnete es im Norden sehr häufig. Im Süden gab es vor allem am 1. Mai und dann wieder zwischen dem 10. und 12. Mai grosse Niederschlagsmengen, wodurch die Trockenheit und die akute Waldbrandgefahr gemindert wurden. Lokal resultierte der nasseste Mai seit 100 Jahren!

Insgesamt konnte teilweise der kühlste Frühling seit über 30 Jahren verzeichnet werden. Allerdings hinterlässt der Klimawandel hier bereits seine Spuren. Im Vergleich zur Normperiode 1961 bis 1990 war der Frühling 2021 absolut durchschnittlich. Durch das in den letzten Dekaden angestiegene Temperaturniveau schiebt sich aber auch die Mitteltemperatur stetig nach oben. Die Menschen empfinden diese höheren Temperaturen auch bereits als normal, wodurch solche Ausreisser nach unten noch stärker auffallen.

Juni: Überdurchschnittlich warm und gewitterreich

Der Juni wies gegenüber dem langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 einen Temperaturüberschuss zwischen etwa 2 und 3,5 Grad auf. Damit steht der Juni 2021 bei den meisten Messtationen zwischen der dritten und fünften Stelle der wärmsten je gemessenen Juni. Nur der legendäre Juni des Hitzesommers 2003 war verbreitet deutlich wärmer, vielerorts zudem auch der Juni 2002 und 2019 leicht. Beim Temperaturverlauf des Monats fällt auf, dass es nur relativ wenige und keine extremen Hitzetage gab. So konnten im Mittelland vielerorts vier Hitzetage während der wärmsten Phase zwischen dem 16. und dem 19. Juni verzeichnet werden. Zudem waren die Niederschläge infolge Gewittern sehr ungleichmässig verteilt. So fiel im Wallis, im Südtessin sowie in Nord- und Mittelbünden und im Engadin vielerorts zu wenig Niederschlag. Auf der anderen Seite sorgten die vor allem im ersten und letzten Junidrittel sehr häufigen Gewitter teilweise für einen markanten Niederschlagsüberschuss. An einigen Messstandorten fiel mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Juniregensumme. Vereinzelt konnten sogar neue Junirekorde registriert werden. Neben viel Regen brachten die Gewitter teilweise auch Hagel, der örtlich einige Zentimeter gross war. Eine eindrückliche Hagelschneise konnte am 20. Juni mit von Südwesten nach Nordosten ziehenden Gewittern vom Genfersee bis zum Bodensee verzeichnet werden, aber auch an weiteren Tagen gab es Hagel. So war auch die Blitzsumme eindrücklich, es konnten rund 244’000 Blitze registriert werden.

Juli: Lokal nassester Juli seit Messbeginn mit Überschwemmungen und hohen Pegelständen

Im Juli konnte vielerorts gegenüber dem langjährigen Mittel ein leichtes Defizit von wenigen Zehntelgraden bis 1 Grad registriert werden. Bemerkenswert war, dass es im Norden abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen nicht einen Tag mit 30 Grad und mehr und damit keinen Hitzetag gab. Der Juli zeichnete sich zudem bei den Niederschlägen durch einen verbreiteten und teilweise grossen Überschuss aus. Einige Stationen verzeichneten sogar einen absoluten Julirekord! Im Tessin pulverisierten einige Stationen den bisherigen Rekord dabei richtiggehend! Örtlich wurden sogar bei weit ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Stationen Rekorde verzeichnet. So gab es teilweise auch grössere Überschwemmungen und rekordhohe Pegelstände von Seen und Flüssen (vgl. nachfolgendes Foto).


Abb. 3: Hochwasser am Walensee vom 11. Juli


Der starke Regen war teilweise auch gewittrig durchsetzt, was die Gesamtzahl von knapp 144’000 Blitzen beweist. Auch Hagel konnte gebietsweise verzeichnet werden (vgl. nachfolgendes Foto).


Abb. 4: Hagelunwetter vom 26 Juli (Churfirsten-Südseite)


August: Eher durchschnittlicher Monat

Der August fiel mit Ausnahme des Südens vielerorts etwas zu wenig warm aus. Hitzetage (Temperaturen von 30 Grad und mehr) konnten mit 0 bis 4 gegenüber den letzten Jahren deutlich weniger verzeichnet werden.
Beim Niederschlag war das Gesamtbild uneinheitlich. So wies die Süd- und Ostschweiz vielerorts einen Überschuss aus, während es in weiten Teilen des Mittellands, in der Nordwestschweiz, am Genfersee sowie im Wallis zu trocken war.

Insgesamt konnte lokal der nasseste Sommer seit Messbeginn verzeichnet werden, wofür insbesondere der nasse Juni und Juli verantwortlich waren.

September: Deutlich zu mild und im Norden zu trocken

Vor allem in der ersten Monatshälfte gestaltete sich der September sonnig und warm, an etlichen Stationen waren noch einmal Sommertage mit Temperaturen von 25 Grad und mehr zu verzeichnen. Bis auf wenige Ausnahmen verlief auch die zweite Monatshälfte milder als normal. Unter dem Strich resultierte im ganzen Land gegenüber dem langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 ein deutlicher Temperaturüberschuss von 1,8 bis 2,5 Grad. Bei vielen Stationen gehörte der September zu den zehn wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn, bei einigen reichte es sogar für die Top 3. Zudem war der September deutlich zu trocken, regional fiel nur zwischen einem Drittel und der Hälfte des sonst zu erwartenden Niederschlags. Entlang der Alpensüdseite lagen die Regenmengen dagegen im Soll oder sogar leicht darüber.

Oktober: Leicht zu kühl und im Norden viel zu trocken

Der Oktober war verbreitet leicht zu kühl. Die Abweichungen betrugen dabei vielerorts zwischen 0 und 1 Grad. Zudem ergab sich im Norden verbreitet ein teilweise grosses Niederschlagsdefizit. Gebietsweise gab es weniger als 25% des normalen Oktoberniederschlags. Im Süden sorgte dagegen ein Starkniederschlagsereignis zwischen dem 3. und 5. Oktober für teilweise einen Überschuss.

November: Leicht zu mild, gegen Ende Monat in den Bergen viel Schnee

Der November war vielerorts etwas zu mild. Die Abweichungen betrugen zumeist zwischen 0,5 und knapp über 1 Grad. Die Niederschlagssumme war zudem sehr unterschiedlich: Während im Oberengadin mehr Niederschlag als sonst durchschnittlich im November fiel, wiesen das Mittelland, der Jura und das Wallis deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagssummen auf. Ab dem 25. November erreichte ein Schwall polarer Kaltluft die Alpennordseite, am Morgen des 26. Novembers war die Landschaft auch im Flachland leicht angezuckert. Zwischen dem 28. und dem 29. November schneite es in den Voralpentälern verbreitet, selbst in tiefen Lagen fielen 10 bis 20, lokal bis zu 30 Zentimeter Neuschnee (vgl nachfolgendes Foto).


Abb. 5: Wintereinbruch im November (Sarganserland, 30 cm am 29. November)


Insgesamt konnte im Norden lokal der trockenste Herbst seit Messbeginn registriert werden.

Dezember: Zu mild und zu nass, vor allem am Ende sehr mild

Der Dezember war an den meisten Orten etwas zu mild, mit Ausnahme des Südens zu nass und vor allem im Mittelland zu bewölkt. Besonders in der ersten Dekade und gegen Ende war es dabei im Norden häufig nass. Während in der ersten Dekade gelegentlich Schnee bis ins Flachland fiel, stieg bei der zweiten feuchten Phase gegen Ende des Monats die Schneefallgrenze bei hohen Temperaturen über 2000, teilweise auch über 2500 Meter. Silvester brachte dann in mittleren und höheren Lagen vielerorts den mildesten Jahresabschluss seit Messbeginn. Bemerkenswert war auch, dass es kurz vor Weihnachten milder wurde und danach typisches Weihnachtstauwetter herrschte.

Gemäss Meteoschweiz lag die Jahrestemperatur 2021 mit einem landesweiten Mittel von 5,6 Grad leicht über der Norm von 1981−2010 (5,4 Grad). Die vorindustrielle Norm 1871−1900 lag bei 3,9 Grad. Seither ist die Jahrestemperatur in der Schweiz also um rund 1,5 Grad angestiegen. Verglichen mit der ab Januar zur Anwendung gelangenden neuen Norm von 1991 bis 2020 kommen nochmals rund 0,5 Grad dazu, dies ergibt dann eine Erwärmung um ungefähr 2 Grad.

Was bringt 2022? Das Jahr hat heute schon mal mit rekordhohen Temperaturen in mittleren und hohen Lagen begonnen. Was danach über etwa eine Woche hinaus folgt, steht noch in den Sternen. MeteoNews wird Sie auf jeden Fall auch 2022 über interessante und aussergewöhnliche Wetterentwicklungen laufend kompetent und informativ informieren. In diesen Sinne „ä guäts neus“ und auf ein spannendes Wetterjahr 2022!

 

Quelle: MeteoNews
Bildquelle: MeteoNews

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