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Nachtgewitter, Sommerwetter und die Mondfinsternis

Im heutigen Blogbeitrag blicken wir zurück auf die nächtlichen Gewitter im Tessin und das heutige Sommerwetter.

Zudem blicken wir voraus auf die Mondfinsternis in der Nacht auf kommenden Montag.

Wetterlage


Bodenanalyse mit Fronten von heute Morgen um 6 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD


Im Tageverlauf wurde heute aus Westen zunehmend Hochdruckeinfluss wetterbestimmend. Damit erfolgte eine Abtrocknung und Stabilisierung der Luftmasse. In den südöstlichen Alpen und insbesondere auf der Alpensüdseite wirkte dieser Prozess aber nur bedingt, sodass hier auch heute ein Risiko für die Bildung von Schauern und Gewittern vorhanden war.

Nächtliche Gewitter im Tessin


Die MeteoSchweiz-Wetterkamera in Montagnola oberhalb Lugano hat die nächtlichen Gewitter im Tessin eindrücklich festgehalten.


Wie im Blog vom Vortag beschrieben, erfolgte auf der Alpensüdseite mit der Kaltfront kein Luftmassenwechsel. Entsprechend ist hier in den unteren Luftschichten die warmfeuchte Luftmasse liegengeblieben. Oder mit anderen Worten: Die Alpensüdseite lag an der warmen Kante der Kaltfront – eine heikle Position bezüglich Gewitter.

Regelmässige Blogleser wissen, dass für die Entstehung von Gewittern verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Kurz zusammengefasst sind dies folgende:

  • hinreichend Feuchtigkeit
  • eine instabile Schichtung der Atmosphäre
  • ein Auslösmechanismus der die Luftmasse hebt („Trigger“)

Die ersten beiden Voraussetzungen waren gegeben. Bleibt also noch die Suche nach dem Auslöser. Da die Gewitter in der Nacht entstanden sind, fällt die Sonneneinstrahlung und die damit entstehende Thermik als klassischer Auslöser der Gewitter weg. Fündig werden wir in den oberen Luftschichten. Hier ist nämlich in der Nacht ein kleiner Schub mit Höhenkaltluft von West nach Ost über die Alpen gezogen:


Geopotential (schwarze Linien) und Temperatur (Farbflächen) auf 500 hPa (ca. 5700 Meter) heute Nacht um 00 UTC. Der beschriebene Kurzwellentrog ist mit einem blauen Pfeil markiert.


Dieser sogenannte Kurzwellentrog sorgte auf seiner Vorderseite für etwas Hebung und in der Höhe für eine Abkühlung von ein bis zwei Grad. Diese beiden Vorgänge haben für die Auslösung der Gewitter gereicht.


Radarfilm mit Seitenrissen der verschiedenen Zellen am oberen und rechten Rand des Bildes im Zeitraum von gestern 22 UTC bis heute 3 UTC in 15-minütigen Zeitschritten.


Der Niederschlagsmesser in Mosogno lag dabei voll auf der Zugbahn einer markanten Gewittezelle. Die Station registrierte innert einer halben Stunden 39.1 mm Niederschlag, wobei 32.9 mm innert zehn Minuten gefallen sind. Dieser Wert bewegt sich im Bereich der Rekordwerte für die Alpensüdseite.

Restwolken am Morgen, tagsüber vor allem in den Bergen Quellwolken

Die Restwolken des nächtlichen Kurzwellentroges lösten sich in der ersten Vormittagshälfte rasch auf, respektive wandelten sich diese in neue Quellwolken um. Somit stellte sich freundliches und zunehmend warmes Sommerwetter ein.


Im Prättigau zeigten sich bereits am Mittag grössere Quellwolken am Himmel. Im linken Bild der Blick zum Sassauna. Im rechten Bild der Blick zum Hochwang mit noch reichlich Schnee in der Gipfelregion.
Fotos: C. Hayoz


Vor allem entlang der Voralpen – wie hier am Stockberg im Toggenburg – war die Basis der Quellwolken am Vormittag recht tief, sodass die höheren Gipfel im Nebel steckten.
Fotos: M. Kägi


Die Winde waren meist schwach, einzig in den Alpentälern etablierten sich ab Mittag markante Talwinde. In den grösseren Alpentälern erreichten diese Böenspitzen von 30 bis 50 km/h.

Die Temperaturen stiegen auf der Alpennordseite auf 23 bis 25 Grad. Am wärmsten wurde es im Zentralwallis und auf der Alpensüdseite. In Visp wurden dabei maximal 28.2 Grad und in Grono im unteren Misox 27.4 Grad gemessen.


Satellitenfilm (HRV-Kanal) im Zeitraum von 4 bis 14 UTC überlagert mit der stündlichen Sonnenscheindauer (in Minuten) an den Bodenstationen.


Nachmittägliche Gewitter in den südöstlichen Alpen und auf der Alpensüdseite

Am Mittag zeigten sich erste Schauerechos auf den Radarbildschirmen. Dies wie erwartet in Graubünden und auf der Alpensüdseite. Im Laufe des Nachmittags wurden im Tessin auch (vereinzelt) Blitzentladungen registriert. Die aktivste Gewitterzelle bewegte sich knapp östlich der Schweizer Grenze im Gebiet des Comersees südostwärts.


Radarfilm im Zeitraum von 10 bis 14.30 UTC überlagert mit den 10-minütigen Niederschlagsmesswerten an den Bodenstationen.


Mondfinsternis in der Nacht auf Montag


Collage der totalen Mondfinsternis vom Abend des 27. Juli 2018. Der Blick geht zum Bächistock, beim Aufgang des Mondes war dieser erst zum Teil verfinstert.
Foto: D. Gerstgrasser


In der Nacht auf den Montag, 16. Mai 2022 findet eine totale Mondfinsternis statt. Diese beginnt um 3.31 Uhr MESZ und endet um 8.52 Uhr. Die Phase mit der totalen Finsternis dauert von 5.29 bis 6.54 Uhr.

Während der totalen Phase steht der Mond tief am Südwesthimmel und geht um 5.51 Uhr unter. Die Phase mit der maximalen Verdunkelung des Mondes um 6.11 Uhr ist damit in der Schweiz nicht mehr sichtbar. Zu dieser Zeit wäre es allerdings ohnehin bereits hell und die Beobachtungsbedingungen eingeschränkt.

Zudem erschwert die zunehmende Dämmerung am Morgen die Beobachtung, der Sonnenaufgang erfolgt um 5.47 Uhr.

Und das Wetter? Vermutlich wird die eine oder andere Schauer- und Gewitterzelle und die damit verbundene Bewölkung die Beobachtung erschweren. Aus heutiger Sicht ist dies wahrscheinlich vor allem in den östlichen und südlichen Landesteilen der Schweiz der Fall.

Weitere Infos zur aktuellen Mondfinsternis und zur Planung

Tools zur Planung und Standortsuche:

Titelbild: Blick vom Bleikigrat auf den Vierwaldstättersee.

 

Quelle: Bundesamt für Meteorologie MeteoSchweiz
Titelbild: R. Keller

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