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Intensiver Dauerregen

Die Schweiz befindet sich im Einflussbereich einer fast stationären Frontalzone welche zu starken Niederschlägen auf der Alpennordseite führt.

Neben den westlichen Alpen sind voraussichtlich auch Teile des Berner Mittellands von besonders ergiebigen Niederschlägen betroffen. Die Stufe 3 Warnung von gestern Dienstag wurde entsprechend um einige Regionen erweitert.

Wie bereits im gestrigen Blog erwähnt, sind die Niederschläge der aktuellen Warnlage mit einigen Unsicherheiten behaftet. Nach den Prognoseunterlagen von heute Vormittag dürfte die Zone mit den stärksten Niederschlägen etwas nordöstlicher liegen als gestern noch erwartet. Entsprechend wurde die Warnung in den Regionen Bern, Emmental und Entlebuch von auf Stufe 3 hochgestuft. Bis am Donnerstagmittag werden Niederschlagssummen von 50 bis 80 mm erwartet.


Warnkarte Regen für heute Mittwoch, 29. September 2022.


Kräftige Westströmung und stationäre Front

Verantwortlich für die kräftigen Niederschläge ist ein umfangreiches und kräftiges Tief mit Kern über Norddeutschland und Dänemark. Die Alpen liegen am Südrand davon in einer starken Westströmung, welche für einen kontinuierlichen Nachschub feuchter Atlantikluft sorgt. Gleichzeitig liegt eine Frontalzone praktisch Strömungsparallel über der Schweiz und verlagert sich entsprechend nur sehr langsam.


Animation von Temperatur und Wind auf etwa 1400 m ü. M. (Daten des europäischen IFS Models). Die blaue Linie markiert die 4 Grad-Isotherme und zeigt näherungsweise die Position der Luftmassengrenze.


Warmfrontartige Regenfälle

Die Alpennordseite lag gestern noch nördlich dieser Luftmassengrenze in kälterer und instabilerer Luft polaren Ursprungs. Heute Mittwoch verlagerte sich die Frontalzone vorübergehend etwas nach Norden, womit aus Westen wärmere Luft herangeführt wurde. Damit stieg auch die Schneefallgrenze deutlich an.


Verlauf der berechneten Schneefallgrenze an ausgewählten Gipfelstationen. Gestern lag die Schneefallgrenze bei rund 1700 m. Bis heute Mittag stieg die Schneefallgrenze auf dem Moléson auf 2400 m, in den östlichen Alpen bis etwa 2000 m.


Mit dieser Erwärmung und Stabilisierung der Luftmasse änderte sich auch der Charakter der Niederschläge. Während diese gestern noch von schauerartiger Natur waren und lokal sogar Blitze registriert wurden, regnete es heute beständig und in allen Regionen der Alpennordseite (Stichwort „Landregen“).

Bilanz der bisherigen Niederschläge

Gestern Dienstag fielen auf der Alpennordseite im Zusammenhang mit schauerartigen Niederschlägen verbreitet 5 bis 20 mm. Im nördlichen Jura sowie im Alpstein wurden lokal über 30 mm registriert.



Etwas zögerlicher als erwartet verlagerte sich der Schwerpunkt der Niederschläge heute Mittwoch zum westlichen Alpennordhang. Zwischen Mitternacht und 12 Uhr fielen auf der gesamten Alpennordseite sowie im Zentralwallis verbreitet 15 bis 30 mm. Noch mehr Niederschlag wurde aufgrund von Staueffekten im westlichen Jura und insbesondere im Chablais verzeichnet. An der Station Clusanfe südlich des Val d’Illiez (VS) kamen in 12 Stunden sogar knapp über 50 mm an Niederschlag zusammen.



Sonnige Abschnitte im Süden, windig in den Bergen

Dem südlichen Alpenkamm entlang sowie in Graubünden reichte es im Schutz der Alpen nur für wenige mm Niederschlag. Ab dem Mittag durfte man sich zudem über einige Aufhellungen freuen. Dies hatte auch Auswirkung auf die Temperatur. So reichte es in den Niederungen der Alpensüdseite für rund 18 Grad. Im Norden verharrten die Temperaturen bei knapp zweistelligen Werten.

Der Wind wehte besonders in den Bergen stark. An den meisten Gipfelstationen wurden Maxima von über 100 km/h verzeichnet, der Spitzenreiter war das Jungfraujoch mit einer Böe von 125 km/h.  In den Niederungen merkte davon aber nicht viel. Dies ist bei Warmfronten und anhaltenden Niederschlägen meist der Fall, da die unteren Luftschichten stabilisiert werden und somit der Höhenwind nicht bis in die Niederungen durchgreifen kann.



Titelbild: Die Niederschläge sind heute Mittwoch besonders in der Region Chablais ergiebig, wie auch das Foto aus Torgon (VS) zeigt.

 

Quelle: Bundesamt für Meteorologie MeteoSchweiz
Titelbild: Meteomeldung/App

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