Tödliche Explosion im Kraftwerk – zwei Arbeiter (18† und 55†) kommen ums Leben

(Ritom TI). Nach dem verheerenden Arbeitsunfall in der alten Wasserkraftzentrale Ritom bei Piotta steht nun auch die Identität des zweiten Todesopfers fest. Bei dem jungen Arbeiter handelt es sich um einen 18-jährigen Schweizer aus der Leventina. Er kam gemeinsam mit einem 55-jährigen Arbeitskollegen bei einer schweren Explosion ums Leben.

Die beiden Mitarbeiter der Azienda Elettrica Ticinese (AET) waren am Mittwochmorgen, 9. September 2026, im Untergeschoss der alten Kraftwerksanlage mit Arbeiten beschäftigt. Nach den bisherigen Erkenntnissen ereignete sich unmittelbar an ihrem Arbeitsplatz eine heftige Explosion. Anschliessend entwickelte sich im Innern des Gebäudes ein Brand.




Explosion im Wasserkraftwerk

Die Explosion richtete erhebliche Schäden an der Kraftwerksanlage an. Für die beiden Arbeiter kam trotz eines Grossaufgebots von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten jede Hilfe zu spät.

Video: SRF / Schweiz aktuell


Zweites Todesopfer formell identifiziert

Wie die Kantonspolizei Tessin mitteilte, konnte inzwischen auch der zweite bei dem Unglück ums Leben gekommene Arbeiter formell identifiziert werden. Es handelt sich um einen 18-jährigen Schweizer mit Wohnsitz in der Leventina.

Der junge Mann war als Lernender bei der AET beschäftigt und absolvierte nach übereinstimmenden Berichten seine berufliche Ausbildung im technischen Bereich. Er befand sich noch mitten in seiner Ausbildung und arbeitete am Unglücksmorgen gemeinsam mit einem sehr erfahrenen Kollegen in der alten Kraftwerkszentrale.

Beim zweiten Opfer handelt es sich um einen 55-jährigen Schweizer aus dem Luganese. Der Mann war seit mehreren Jahrzehnten für die AET tätig und verfügte über grosse Berufserfahrung. Medienberichten zufolge arbeitete er seit rund 35 Jahren für das Unternehmen und war auch an der Ausbildung von Lernenden beteiligt.

Damit traf die Explosion zwei Mitarbeiter aus völlig unterschiedlichen Generationen: einen jungen Mann am Beginn seines Berufslebens und einen langjährigen Fachmann mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Explosion kurz nach 9.30 Uhr

Der folgenschwere Arbeitsunfall ereignete sich am Mittwoch kurz nach 9.30 Uhr in der alten Wasserkraftzentrale Ritom bei Piotta in der Gemeinde Quinto.

Bei der Gemeinsamen Alarmzentrale CECAL ging zunächst die Meldung über einen Brand im Innern des Gebäudes ein. Daraufhin wurden zahlreiche Einsatzkräfte alarmiert. Erst im Verlauf der ersten Abklärungen zeigte sich das ganze Ausmass des Ereignisses.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand hatte sich im Untergeschoss der Anlage eine Explosion ereignet. Die beiden AET-Mitarbeiter hielten sich genau in jenem Bereich auf, in dem es zur Detonation kam.

Die Explosion verursachte schwere Zerstörungen und löste einen Brand aus. Die Situation im unterirdischen Bereich der historischen Kraftwerksanlage war für die Rettungskräfte äusserst gefährlich und zunächst nur schwer überschaubar.

Arbeiten im unterirdischen Bereich der Zentrale

Inzwischen konnten die Ermittler den Arbeitsplatz der beiden Männer genauer lokalisieren. Die Explosion ereignete sich im Untergeschoss beziehungsweise in einem unterirdischen Verbindungsgang der alten Kraftwerkszentrale.

Nach Informationen der RSI waren die beiden Mitarbeiter damit beschäftigt, Kabelkanäle zu montieren. Durch diese sollten später elektrische Leitungen geführt werden. Die Arbeiten standen im Zusammenhang mit dem Übergang von der historischen Kraftwerksanlage zur neuen, unmittelbar benachbarten Zentrale.

In dem betroffenen Bereich befindet sich ein Verbindungspunkt zwischen der alten und der neuen Anlage. Die Arbeiten waren somit Teil der umfangreichen Vorbereitungen für die künftige Inbetriebnahme des neuen Ritom-Kraftwerks.

Was die beiden Männer in den letzten Augenblicken vor der Explosion genau ausführten und welche Geräte oder Materialien sich dabei unmittelbar in ihrer Nähe befanden, ist öffentlich noch nicht abschliessend bekannt. Gerade diese Fragen bilden einen wesentlichen Teil der laufenden technischen Untersuchungen.

Was war die Ursache der Explosion?

Die wichtigste Frage ist weiterhin ungeklärt: Was hat die tödliche Explosion ausgelöst?

Als gesichert gilt mittlerweile, dass die beiden Arbeiter durch die unmittelbaren Folgen einer Explosion ums Leben kamen. Damit ist der Mechanismus des Unglücks bestätigt. Die eigentliche technische Ursache der Detonation ist jedoch weiterhin nicht bekannt.

Nach den bisher veröffentlichten Ermittlungsergebnissen wurden am Unglücksort keine Spuren von Sprengstoff gefunden. Zudem soll es im Zusammenhang mit dem Ereignis keine registrierten Spannungseinbrüche im Stromnetz gegeben haben.

Damit liegen bislang keine Hinweise vor, die eine vorsätzliche Sprengstoffexplosion oder einen unmittelbar feststellbaren grossen elektrischen Netzzwischenfall belegen würden.

Diese Erkenntnisse erlauben jedoch noch keine abschliessende Aussage über den Auslöser. Insbesondere ist weiterhin offen, ob technische Komponenten, Gase, Dämpfe, Arbeitsmaterialien, ein elektrischer Vorgang oder eine Kombination mehrerer Faktoren eine Rolle gespielt haben könnten. Zu diesen Möglichkeiten haben die zuständigen Behörden bislang keine bestätigten Angaben gemacht.

Solange die technischen Gutachten nicht vorliegen, wäre jede weitergehende Festlegung auf eine bestimmte Ursache spekulativ.

Obduktionen bestätigen tödliche Explosionsverletzungen

Die rechtsmedizinischen Untersuchungen haben zusätzliche Erkenntnisse zum Tod der beiden Arbeiter geliefert.

Der 18-Jährige starb nach den bisher bekannt gewordenen Ergebnissen infolge eines schweren Schädel-Hirn-Traumas. Der 55-jährige Mitarbeiter erlitt mehrere schwere, unmittelbar durch die Explosion verursachte Verletzungen.

Die Befunde sprechen dafür, dass beide Männer direkt von der Druckwelle oder von den durch die Detonation ausgelösten mechanischen Einwirkungen getroffen wurden. Nähere Einzelheiten zu den Verletzungen wurden mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht veröffentlicht.

Damit steht fest, dass nicht der anschliessende Brand oder eine Rauchgasvergiftung als unmittelbare Todesursache im Vordergrund steht. Entscheidend waren vielmehr die schweren Verletzungen durch die Explosion selbst.

Grossaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdiensten

Nach Eingang der Brandmeldung rückten Einsatzkräfte der Kantonspolizei Tessin sowie die Feuerwehren von Biasca, der oberen Leventina und Bellinzona aus.

Die Feuerwehrleute mussten den Brand bekämpfen und gleichzeitig den betroffenen Gebäudeteil sichern. Wegen der Explosion, der erheblichen Schäden und der räumlichen Verhältnisse im Untergeschoss gestaltete sich der Einsatz schwierig.

Ebenfalls vor Ort standen die Rettungskräfte von Tre Valli Soccorso und die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega. Trotz der umfangreichen Rettungsmassnahmen konnten die beiden Männer nicht gerettet werden.

Zur psychologischen Betreuung der Angehörigen, Arbeitskollegen und weiterer Betroffener wurde zudem das Care Team aufgeboten.

Unglücksstelle beschlagnahmt

Die Staatsanwaltschaft eröffnete unmittelbar nach dem tödlichen Arbeitsunfall eine Untersuchung. Geleitet wird das Verfahren von Staatsanwältin Valentina Tuoni.

Der betroffene Bereich der Kraftwerkszentrale wurde beschlagnahmt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Spuren, beschädigte Bauteile und mögliche technische Beweismittel unverändert untersucht werden können.

Am Tag nach dem Unglück gelang es der wissenschaftlichen Polizei gemeinsam mit Fachleuten der AET und der SBB, bis zum eigentlichen Explosionsort vorzudringen. Unmittelbar nach dem Ereignis war dies wegen der Gefahrenlage und der Schäden noch nicht möglich gewesen.

Die Ermittler müssen nun unter anderem klären:

  • welcher technische oder physikalische Vorgang die Explosion ausgelöst hat,
  • welche Arbeiten im entscheidenden Moment ausgeführt wurden,
  • welche Maschinen, Werkzeuge und Materialien sich im betroffenen Bereich befanden,
  • ob beschädigte elektrische oder mechanische Komponenten eine Rolle spielten,
  • ob sämtliche Sicherheitsvorschriften und Arbeitsabläufe eingehalten wurden,
  • und ob zwischen den laufenden Umbauarbeiten und der Explosion ein Zusammenhang besteht.

Die Untersuchung gilt als technisch anspruchsvoll. Neben der Staatsanwaltschaft und der wissenschaftlichen Polizei dürften deshalb auch spezialisierte Sachverständige in die Abklärungen einbezogen werden.

Historische Kraftwerksanlage im Umbau

Die alte Wasserkraftzentrale Ritom wurde 1917 errichtet und ist damit mehr als ein Jahrhundert alt. Die von den SBB gebaute Anlage nutzt das Wasser des auf rund 1’850 Metern über Meer gelegenen Ritomsees und liefert unter anderem Energie für die Gotthard-Bahnstrecke.

Neben der historischen Anlage entsteht seit mehreren Jahren ein neues Wasserkraftwerk. Die alte Zentrale sollte grundsätzlich so lange in Betrieb bleiben, bis die Stromproduktion vollständig auf die neue Anlage übertragen werden kann.

Zum Zeitpunkt des Unglücks liefen Arbeiten für die Verbindung und den späteren Übergang zwischen den beiden Kraftwerken. In der alten Zentrale waren zuletzt auch neue elektrische Anlagen und Komponenten installiert worden.

Nach Angaben der SBB hielten sich in der alten Zentrale üblicherweise zwischen drei und fünf Arbeiter auf. Auf der Baustelle des neuen Kraftwerks waren gleichzeitig ungefähr 20 Personen beschäftigt.

Produktion der alten Zentrale eingestellt

Nach der Explosion wurde die Stromproduktion in der alten Kraftwerkszentrale unterbrochen. Die Anlage blieb für die Ermittlungen und die technische Sicherung ausser Betrieb.

Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, hängt vom Ergebnis der Untersuchungen und vom Ausmass der notwendigen Reparaturen ab. Zunächst müssen die beschädigten Anlageteile dokumentiert, untersucht und anschliessend repariert oder ersetzt werden.

Das Unglück dürfte sich auch auf den Zeitplan für die Inbetriebnahme der neuen Zentrale auswirken. Eine definitive Mitteilung über die Dauer einer möglichen Verzögerung liegt bislang jedoch nicht vor.

Trauer in der Leventina und im Luganese

Der Tod der beiden Mitarbeiter löste bei der AET, den SBB und in den Heimatgemeinden der Opfer grosse Bestürzung aus.

Der 18-Jährige lebte in einer kleinen Gemeinde in der Leventina und war dort stark verwurzelt. Die Nachricht von seinem Tod traf die Bevölkerung entsprechend schwer. Die Gemeindebehörden liessen die Fahnen auf halbmast setzen und standen in engem Kontakt mit der Familie.

Auch beim Ausbildungszentrum in Bodio, wo der junge Mann Teile seiner beruflichen Ausbildung absolvierte, wurde seiner gedacht. Seine Mitschüler und die weiteren Lernenden wurden nach der Tragödie besonders betreut.

Der 55-jährige Mitarbeiter war verheiratet und Familienvater. Er lebte im Luganese und galt bei der AET als erfahrener und langjähriger Fachmann. Auf Wunsch seiner Familie wurden nur wenige persönliche Einzelheiten veröffentlicht.

AET und SBB erklärten gemeinsam, sie seien tief erschüttert. Beide Unternehmen wollen mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, die Ursachen des Unglücks aufarbeiten und aus den Ergebnissen die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Stand der Ermittlungen am 13. September 2026

Vier Tage nach dem schweren Arbeitsunfall ergibt sich folgender bestätigter Stand:

  • Bei den Todesopfern handelt es sich um zwei Mitarbeiter der AET.
  • Das zweite Opfer ist ein 18-jähriger Schweizer aus der Leventina.
  • Der zweite Verstorbene war ein 55-jähriger Schweizer aus dem Luganese.
  • Die Männer arbeiteten im Untergeschoss der alten Ritom-Zentrale.
  • Sie montierten Kabelkanäle für elektrische Leitungen.
  • Die Arbeiten standen im Zusammenhang mit der künftigen Inbetriebnahme der neuen Kraftwerksanlage.
  • Beide Männer wurden unmittelbar von einer Explosion getroffen.
  • Die Obduktionen bestätigten schwere, durch die Detonation verursachte Verletzungen.
  • Am Explosionsort wurden bislang keine Spuren von Sprengstoff gefunden.
  • Ein Spannungseinbruch im Stromnetz wurde nicht registriert.
  • Die konkrete technische Ursache der Explosion ist weiterhin unbekannt.
  • Der Unglücksort bleibt Gegenstand umfangreicher kriminaltechnischer und technischer Untersuchungen.

Die entscheidende Frage nach dem Auslöser der Explosion ist somit auch am 13. September 2026 noch offen. Erst die Auswertung der Spuren, der beschädigten Bauteile und der Arbeitsabläufe wird zeigen können, wie es zu der tödlichen Detonation kommen konnte.

 

Quelle: Kapo Tessin, RSI, Azienda Elettrica Ticinese (AET), SBB
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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