Sudan – zwei Pastoren droht die Todesstrafe
Christen sind im islamisch geprägten Sudan schon länger unter Verfolgungsdruck. Das zeigt sich aktuell wieder sehr deutlich bei einem Prozess in der Hauptstadt Khartum. Dabei stehen die beiden Pastoren Hassan Abduraheem Kodi Taour und Kuwa Shamal unter Anklage. Ebenfalls beschuldigt wird Petr Jasek, ein tschechischer Entwicklungshelfer.
Ihnen werden unter anderem Spionage und Unterstützung von Rebellen vorgeworfen. Zu den Anschuldigungen gehören ausserdem Krieg gegen den Staat und Verbreitung von Falschinformationen. Der Staatsanwalt hatte bereits im August die Todesstrafe gefordert. Ihre Verteidiger sind verhalten optimistisch. Die nächste Verhandlung ist für Montag, den 14. November angesetzt.
Fotografien als fragwürdige Beweise
Einige Verbrechen, die den Angeklagten vorgeworfen werden, können mit der Todesstrafe belegt werden. Als Beweismaterial legte die Staatsanwaltschaft Fotografien vor, die die Angeklagten neben zerstörten Gebäuden in den Nuba-Bergen zeigen. Auf den Bildern sind ausserdem Mitglieder einer Rebellengruppe sowie Angehörige einer US-amerikanischen Hilfsorganisation zu sehen, die medizinische Nothilfe in Kriegsgebieten leistet.
Der Richter, Osama Ahmed Abdallah, erklärte, die Bilder unterstrichen, dass Jasek 2012 mit dem Team der Hilfsorganisation in den Nuba-Bergen gewesen sei. Allen Angeklagten wird zur Last gelegt, die sudanesische Regierung für die Bombardierungen der Gebäude verantwortlich zu machen.
Monatelange Haft ohne Rechtsgrundlage
Pastor Taour befindet sich bereits seit Dezember 2015 in Haft, obwohl nach sudanesischem Recht ein Verdächtiger spätestens nach 45 Tagen vor Gericht gestellt oder freigelassen werden muss. Auch Pastor Shamal wurde über viele Monate widerrechtlich festgehalten. Beide Pastoren haben inzwischen gesundheitliche Probleme.
In einem ähnlichen Fall waren die beiden Pastoren Michael Yat und Peter Yen aus dem Südsudan nach monatelanger Haft im August 2015 auf internationalen Druck hin freigelassen worden. Allgemein werden Christen im Sudan zunehmend bedrängt: So wurden beispielsweise im Oktober drei Pastoren und drei weitere Christen verhaftet, die sich geweigert hatten, eine bislang von ihrer Kirche unterhaltene Schule an die staatlichen Behörden zu übergeben, und erst gegen Kaution wieder entlassen.
Zudem erhielten fünf Gemeinden in Khartum eine Benachrichtigung, dass ihre Gebäude demnächst abgerissen würden. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt der Sudan aktuell Platz 8 unter den Ländern ein, in denen Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Artikel von: Open Doors Schweiz
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