Ebola-Patientin aus Nigeria eingeflogen: Rega transportiert zwei Personen in Spezialkapseln
Polizei.news Redaktion +Instagram-CH ➔ flughafen.ch ➔ flugzeug.ch ➔ hospital.ch ➔ xund24.ch Altstetten ZH Bachenbülach Dällikon Dietlikon Embrach Glattbrug Hedingen Hombrechtikon Nürensdorf Oberhasli Obfelden Ottenbach Pfungen Polizeinews Rega-Einsätze Regionen Rümlang Schweiz Stadt Adliswil Stadt Affoltern am Albis Stadt Bassersdorf Stadt Bülach Stadt Dübendorf Stadt Eglisau Stadt Illnau-Effretikon Stadt Kloten Stadt Opfikon Stadt Regensdorf Stadt Richterswil Stadt Rüti Stadt Schlieren Stadt Thalwil Stadt Uster Stadt Wädenswil Stadt Wallisellen Stadt Wetzikon Stadt Winterthur Stadt Zürich Zürich
(Zürich ZH). Gestern konnten dank der von der Rega entwickelten Patienten-Isolationseinheit eine mit Ebola infizierte Frau sowie eine Kontaktperson sicher und effizient an Bord des Rega-Jets von Nigeria nach Zürich geflogen werden. Der Flug wurde im Auftrag des Bundes durchgeführt.
Die Patienten-Isolationseinheit (PIU) ist eine sogenannt chemiedichte Schutzhülle, in der Patientinnen und Patienten während der gesamten Transportdauer isoliert werden können.
- Was: Die Rega transportierte eine mit Ebola infizierte Frau und eine Kontaktperson aus Nigeria in die Schweiz.
- Wann: Montag, 26. Oktober 2026.
- Flug: Der Rega-Ambulanzjet landete am Flughafen Zürich.
- Schutz: Beide Personen wurden in separaten Patienten-Isolationseinheiten (PIU) transportiert.
- Auftraggeber: Der Bund.
- Weitertransport: Mit Rega-Helikoptern in die Universitätsspitäler Genf und Zürich.
- Besonderheit: Die von der Rega entwickelte Spezialausrüstung ermöglicht die medizinische Behandlung während des isolierten Transports.
Sie schützt vor Ansteckung und ermöglicht zusammen mit einem akribisch beschriebenen und regelmässig trainierten Ablauf den sicheren Transport von Personen mit hochinfektiösen Krankheiten wie Ebola, COVID-19 oder anderen hochansteckenden Virusinfektionen.
Die medizinische Crew kann den Patienten oder die Patientin während des gesamten Fluges behandeln, ohne sich selbst oder die Cockpitcrew einem Infektionsrisiko auszusetzen.
Rega-Chefarzt Prof. Dr. Roland Albrecht, unter dessen Leitung die PIU entwickelt wurde, erklärt: „Der Patient wird vor dem Einlad in den Ambulanzjet gemäss einem strikten Ablauf in der PIU isoliert, was eine Ansteckung der Crew während des Fluges verhindert.“
Die Patientin bleibt dann in der PIU isoliert, bis sie im Zielspital in einer Isolationsstation wieder aus der PIU herausgenommen und umgelagert wird.
Ebola-Epidemie als Auslöser für Entwicklung der PIU
Auf die Idee zur Entwicklung der PIU kam Rega-Chefarzt Prof. Dr. Albrecht während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika.
Vor Einführung der PIU gab es kaum ein zuverlässiges Konzept für luftgestützte Transporte von hochinfektiösen Patienten und die Rega-Crews mussten beim Transport von solchen Patienten während der gesamten Flugzeit Schutzkleidung tragen – selbst die Piloten im Cockpit.
Trinken oder Essen im Flugzeug war nicht möglich. Zudem musste der gesamte Jet nach einem solchen Einsatz aufwendig desinfiziert und gelüftet werden – und stand während dieser Zeit nicht für andere Patienten zur Verfügung.
Rega entwickelte eigene Lösung
Der Rega-Chefarzt wollte eine Lösung schaffen, die hochinfektiöse Patienten während des gesamten Transports isoliert und gleichzeitig die Crew von Schutzanzügen befreit.
Doch die Umsetzung war komplex: Die Patientenversorgung musste gewährleistet sein, ohne die Isolation zu unterbrechen.
Auch die Frischluftzufuhr und die Sicherheit bei plötzlichem Druckabfall in der Kabine stellten Herausforderungen dar, für die unter anderem das Engineering-Team der Rega Lösungen finden musste.
Zwei Hochleistungs-Partikelfilter am Fuss- und am Kopfende der PIU reinigen die kontaminierte Luft und geben sie keimfrei an die Umgebung ab.
Damit lässt sich nicht nur im Aussenraum, sondern auch im Inneren keimfreie Luft garantieren.
Dadurch eignet sich die PIU nicht nur für hochinfektiöse Patientinnen und Patienten, sondern auch für den Transport von immungeschwächten Menschen, die auf absolut keimfreie Luft angewiesen sind, etwa vor oder nach einer Organtransplantation.
Ein weiterer Vorteil der PIU: Die Luftfahrzeuge stehen rasch wieder zur Verfügung und bedürfen keiner besonderen Desinfektion nach einem Einsatz.
Transport von hochinfektiösen Patienten gehört heute zur normalen Einsatztätigkeit
Die PIU wurde nicht nur für Ebola, sondern für alle hochinfektiösen Krankheiten entwickelt.
Die Rega transportiert regelmässig Patientinnen und Patienten mit hochansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel offener Tuberkulose.
Als sich Anfang 2020 das Coronavirus ausbreitete, konnte die Rega auf ihre Erfahrungen mit der PIU zurückgreifen und hat seit deren Entwicklung mehr als hundert Patientinnen und Patienten transportiert.
Gestern brachte die Rega-Crew die Ebola-Patientin und ihre Kontaktperson in der PIU sicher in die Schweiz zurück.
Aus Vorsichtsgründen wurde auch die Kontaktperson während des Transports in einer zweiten PIU isoliert.
Vom Flughafen Zürich aus wurden die beiden Personen dann an Bord eines Rega-Helikopters in das Universitätsspital Genf (HUG) sowie ins Universitätsspital Zürich (USZ) geflogen.
Quelle: Schweizerische Rettungsflugwacht Rega
Bildquelle: Rega
Ebola: Wie sich das Virus überträgt – und warum eine Kontaktperson nicht automatisch krank ist
Ebola gehört zu den schweren Infektionskrankheiten, die besondere Schutzmassnahmen erfordern. Trotzdem bestehen häufig Missverständnisse über die Übertragungswege und den Umgang mit möglichen Kontaktpersonen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, unter welchen Bedingungen eine Ansteckung möglich ist und weshalb die medizinische Überwachung eine wichtige Rolle spielt.
1. Wie wird Ebola von Mensch zu Mensch übertragen?
Das Ebolavirus wird vor allem durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten einer erkrankten Person übertragen. Dazu gehören beispielsweise Erbrochenes, Stuhl und Speichel.
Eine Infektion kann entstehen, wenn solche Körperflüssigkeiten über verletzte Haut oder Schleimhäute in den Körper gelangen. Auch Gegenstände, die mit infektiösem Material verunreinigt sind, können ein Risiko darstellen.
Wichtig: Ebola wird nicht wie Masern über die Luft verbreitet. Eine Ansteckung durch die blosse Anwesenheit im selben Gebäude ohne entsprechende Exposition ist nicht der typische Übertragungsweg.
2. Kontaktperson bedeutet nicht automatisch Infektion
Wer engen Kontakt mit einer an Ebola erkrankten Person hatte, kann als Kontaktperson eingestuft werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass tatsächlich eine Infektion vorliegt.
Die Inkubationszeit von Ebola beträgt nach Angaben der WHO zwei bis 21 Tage. In dieser Zeit können sich nach einer möglichen Ansteckung Symptome entwickeln. Personen mit Ebola sind vor dem Auftreten erster Symptome nicht ansteckend.
Medizinische Überwachung: Identifizierte Kontaktpersonen werden nach den Vorgaben der zuständigen Gesundheitsbehörden während 21 Tagen nach der letzten möglichen Exposition überwacht. Dabei wird auf Krankheitssymptome geachtet und festgelegt, welche weiteren Massnahmen erforderlich sind.
3. Warum die Schweiz spezialisierte Isolationsstationen benötigt
Die Behandlung hochinfektiöser Erkrankungen stellt besondere Anforderungen an Gebäude, Personal und medizinische Abläufe. Deshalb verfügt die Schweiz mit dem Universitätsspital Zürich (USZ) und den Universitätsspitälern Genf (HUG) über zwei nationale Kompetenzzentren für die Behandlung von Ebola-Erkrankungen.
Die Einrichtungen verfügen über speziell ausgerüstete Isolationsbereiche und geschultes Personal. Die Schutzmassnahmen dienen dazu, eine hochwertige medizinische Behandlung zu gewährleisten und gleichzeitig eine Übertragung des Erregers zu verhindern.
Gut zu wissen: Die spezialisierten Stationen sind darauf ausgelegt, hochinfektiöse Patienten von anderen Bereichen des Spitals getrennt zu betreuen. Für die übrigen Patientinnen und Patienten sowie Besuchenden besteht bei Einhaltung der vorgesehenen Schutzmassnahmen keine zusätzliche Gefährdung durch die Aufnahme solcher Fälle.
Gut zu wissen: Die Rega-Isolationseinheit wurde weiterentwickelt
Seit Frühjahr 2024 setzt die Rega eine überarbeitete Version ihrer Patienten-Isolationseinheit ein: die PIU 2.0.
Die neue Konstruktion ist modular aufgebaut. Dadurch kann sie im Ambulanzjet mitgeführt und bei Bedarf innerhalb weniger Minuten aufgebaut werden. Das ermöglicht eine flexiblere Einsatzplanung.
Ein wichtiger zusätzlicher Einsatzbereich ist der geschützte Transport immungeschwächter Menschen, beispielsweise vor oder nach einer Organtransplantation. Sie profitieren von der gefilterten Luft innerhalb der Isolationseinheit.
Besonderheit: Die Schutztechnologie kann damit sowohl das medizinische Personal vor Krankheitserregern als auch besonders empfindliche Patientinnen und Patienten vor einer Infektion schützen.
Weitere Informationen über die Luftrettung und medizinische Transporte der Rega finden Sie im Blaulicht-Netzwerk.
Quelle Infobox: Polizei.news-Redaktion