Mann mit Down-Syndrom eröffnet eigenes Diner

29.06.2012 |  Von  |  Allgemein, Gesellschaft

Tim Harris (26) ist eine ganz besondere Person: Er ist der weltweit einzige Mensch mit Down-Syndrom (Trisomie 21), der sein eigenes Restaurant eröffnete. Seine Gäste verwöhnt der Restaurantchef nicht nur kulinarisch, sondern auch mit ausgeprägter Nächstenliebe.

„Tim’s Place“ – so heisst das kleine Diner – liegt in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexiko und gilt inzwischen als das vermutlich freundlichste Restaurant der Welt. Auf der Speisekarte steht neben Breakfast (Frühstück) und Lunch (Mittagessen) eine besondere Gratis-Spezialität: Hugs (Umarmungen)! Die „kalorienfreien“ Zärtlichkeiten verteilt der Chef kostenlos und gerne an seine Gäste. Inzwischen hat er seit Eröffnung vor zwei Jahren fast 20.000 Umarmungen gespendet, wie ein eigener „Hug-Counter“ (Zähler) im Diner festhält.

Typisch für Menschen mit Down-Syndrom, ist Tim Harris besonders sozial und sensibel eingestellt. Und das bekommen seine Gäste zu spüren. Sein Anliegen, eine herzliche und warme Willkommensatmosphäre zu schaffen, kommt bei der Kundschaft bestens an. „Meine Gäste sollen sich wohl fühlen“, äusserte Tim Harris gegenüber dem TV-Sender CNN, und auch andere Nachrichtensender und Magazine (z. B.  CBS oder „People“) berichteten über die bemerkenswerte Geschichte.

Das eigene Restaurant – vom Traum zur Verwirklichung

Wie es Tim Harris trotz des Gendefekts zum Restaurantchef brachte, zeigt ein Blick in seine Biographie: Tims Eltern förderten ihn nach anfänglichem Schock genauso wie seine drei Geschwister. Er besuchte die Schule, spielte in Sportmannschaften, nahm sogar an den Paralympics teil und wurde zum Ballkönig gewählt. Es folgte der Besuch der Eastern New Mexiko University, wo er 2008 seinen Abschluss in Service, Büroarbeit und Gastronomie machte.

Anschliessend war Tim Harris in mehreren Restaurants in New Mexiko tätig, bis er 2010 sein eigenes Diner eröffnete. Mittlerweile beschäftigt er ein Team von 30 Mitarbeitern, und seine Idee findet begeisterten Anklang. Auf seiner Webseite gratulierten ihm schon über 800 Leute zu seinem Projekt.



Tim Harris’ Geschichte macht Betroffenen Mut. Sie zeigt, welches Potenzial in Menschen mit Down-Syndrom trotz Beeinträchtigungen schlummert. Und sie ist das beste Argument gegen Bestrebungen, Menschen mit Down-Syndrom immer früher vorgeburtlich zu erkennen und via Abtreibung rechtzeitig „auszusortieren“. Denn mit welchem Recht lässt sich noch behaupten, dass ein Leben mit Down-Syndrom nicht lebenswert sei, wenn man sich Tim Harris anschaut.

 

Quellen: welt.de / people.com
Siehe auch im Blog: PID-Verbot soll in der Schweiz gelockert werden
Oberstes Bild: timsplace.com