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Katzen und Hunde als Steak auf dem Teller?

09.09.2014 |  Von  |  Allgemein

Was wie ein schlechter Scherz klingt, bei dem sich die Nackenhaare sämtlicher Tierfreunde aufstellen, gilt in der Schweiz tatsächlich als legal. Noch. Denn eine Tierfreundin aus Neuenburg will das jetzt ändern und hat eine Onlinepetition gestartet.

Braucht die Schweiz ein neues Gesetz? Gibt es tatsächlich Mitbürger, die Bello und Miezi verspeisen? Laut Gesetz wäre es legal, sein eigenes Haustier zu verspeisen, wenn es ordnungsgemäss geschlachtet wird. Darunter fallen theoretisch auch Hunde und Katzen. Immerhin wurden der Handel, also Einfuhr und Ausfuhr, von Katzenfellen sowie das Züchten der Tiere zum Zwecke der Fellgewinnung 2013 in der Schweiz per Gesetz verboten. Es wurde jedoch vergessen, den Verzehr zu regeln. Dieser Zustand ist für die Katzenfreundin und Tierschützerin Tomi Tomek, Mitbegründerin von SOS Chats Noiraigue, unhaltbar.

Der Gedanke, menschliche Blicke auf einen wohlgenährten Hund gänzlich anders interpretieren zu können, ist unerträglich. „Wir verlangen … ein neues Gesetz gegen den Handel und den Konsum von Hunde- und Katzenfleisch in der Schweiz“, erklärte Frau Tomek gegenüber der Nachrichtenagentur „Le Matin“. Sie kann bereits auf knapp 10’000 Menschen verweisen, die innerhalb von nur zehn Tagen eine entsprechende Petition unterzeichnet haben. Der Aufruf scheint einen Nerv bei den Leuten zu treffen, denn Hunde und Katzen gelten nicht nur als Nutz- und Haustiere, sondern auch als wertvolle Familienmitglieder. „Die Familie massakriert man nicht“, meint eine Sympathisantin. „Leben wir denn in China?“, fragt eine andere.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) weist darauf hin, dass Hunde und Katzen NICHT per Gesetz als Lebensmittel gelten, sie dürfen also weder zum Zwecke der Nahrungsgewinnung verkauft noch angeboten werden. Aber, so das Statement der BLV-Sprecherin Eva van Beek: „Man kann den Besitzern nicht verbieten, ihre Haustiere zu essen, wenn vorab die Tierschutzverordnung eingehalten wird.“ Das Gesetz biete keine ausreichende Handhabe, gegen den Verzehr vorzugehen. Laut „Blick“ gelten die Zentralschweiz, das Rheintal und Appenzell als „Hochburgen der Haustier-Gourmets“.

Die Boulevard-Zeitung vermutete bereits 2011 mit der Schlagzeile „Katzenfresser“, dass im Aargau Katzen gefangen und gegessen werden. Ende 2012 legte der „Tagesanzeiger“ nach und brachte den Beweis, dass ein Appenzeller Landwirt Hunde- und Katzenfleisch verarbeitete und als Mostbröckli servierte. „Fleisch ist Fleisch“ – diese zitierte Aussage eines Bauern aus dem St. Galler Rheintal ist für viele Tierfreunde und Tierschützer nicht nachvollziehbar. Trotz Publikmachung derartiger Vorfälle hat sich an der Gesetzgebung bis jetzt nichts geändert. Deshalb sucht Frau Tomek jetzt einen Parlamentarier, der die Petition ins Bundeshaus Bern bringt.

Hier geht’s zur Petition.

 

Oberstes Bild: © Liliya Kulianionak – Shutterstock.com