Neues Namensrecht – Mehrheit der Paare entscheidet sich für einen Namen

02.09.2014 |  Von  |  Gesellschaft

Seit Beginn des Jahres 2013 ist in der Schweiz das neue Namensrecht in Kraft. Dieses erlaubt es Braut und Bräutigam, den jeweils eigenen Nachnamen zu behalten oder sich für einen gemeinsamen Familiennamen zu entscheiden. Das Führen eines Doppelnamens ist hingegen nicht mehr möglich.

Mit einem Auskunftsersuchen wandte sich die neue Waadtländer SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz jetzt an den Bundesrat, um zu erfahren, wie sich das neue Namensrecht in der Praxis auswirkt. Die Antworten auf dieses Ersuchen liegen nun auch der Öffentlichkeit vor.

Zahl der Eheschliessungen rückläufig

Auffällig ist, dass die Zahl der Eheschliessungen im Jahr 2013 um ganze 6,7 % auf 39’800 zurückgegangen ist. Der Bundesrat betont jedoch, dass sich der signifikante Rückgang nicht auf das neue Namensrecht zurückführen liesse. Die “Mutter” des neuen Namensrechts, SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer, geht mit dieser Aussage allerdings nicht konform und vermutet einen indirekten Zusammenhang. Ihrer Meinung nach hat möglicherweise ein Teil der verlobten Paare ihre Hochzeit mit Absicht auf das Jahr 2012 vorverlegt, um sich noch für einen Doppelnamen entscheiden zu können.

Traditioneller Weg noch immer auf Platz eins

Wie der Bundesrat berichtet, hat im Jahr 2013 jede vierte Frau von dem neuen Recht Gebrauch gemacht und ihren eigenen Namen beibehalten. Eine grosse Veränderung hat sich durch das neue Namensrecht also nicht ergeben, denn bereits in den Jahren von 2001 bis 2012 hatten im Schnitt 20 % der Frauen den eigenen Namen vor den des Mannes gestellt – das Führen eines Doppelnamens war damals ja noch möglich. Unverändert ist dagegen der Anteil der Frauen geblieben, die sich bei ihrer Hochzeit für den traditionellen Weg entscheiden und den Namen des Mannes annehmen. Nach wie vor wird diese Variante von 71 % der Frauen bevorzugt. Für die dritte Variante – der Mann gibt seinen Namen zugunsten desjenigen der Frau auf – entscheiden sich dagegen mit knapp 5 % nur die wenigsten Paare.

Susanne Leutenegger Oberholzer sieht die Entwicklung trotzdem als Fortschritt an. Für sie zeichnet sich ein klarer Trend ab, der nicht mehr aufzuhalten sei. Sie ist der Meinung, dass es irgendwann für Frauen und Männer normal sein werde, den eigenen Namen das ganze Leben lang beizubehalten. Bis es so weit wäre, würde es aber noch eine Generation dauern, so Leutenegger. Ihre Vision ist es, dass Schweizer Frauen in Zukunft ein grösseres Selbstverständnis dafür entwickeln, unter dem eigenen Namen zu machen. Zudem sollten sie sich nicht dafür rechtfertigen müssen, wenn sie den Namen auch nach der Eheschliessung beibehalten wollten.

 

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